14. wenn die Muse einen küsst

Nach dieser kleinen Auseinandersetzung mit Esra fühlte sich Marco seltsam frei. Es war ihm nie bewusst gewesen wie sehr es ihn bedrückt hatte, das Esra seine Lieder gestohlen hatte, bis zu dem Moment wo er es ihm vorgeworfen hatte und die Last des stillschweigenden Duldens damit von ihm abgefallen war. Er hatte immer gedacht seine Schwermut liege daran das er Malina nachtrauerte.

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Marco verspürte plötzlich das Bedürfnis seine Wohnstätte zu einem Zuhause zu machen. Immer wieder fragte er das kleine Kätzchen was es wohl von dieser oder jener Sache hielt. Er lachte dann jedes Mal, wenn Minka ihm mauzent antwortete.

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Im Zuge der Umgestaltung seines Hauses entdeckte Marco beim Stöbern nach Möbeln ein Keyboard. Es war lange her das er darauf Musik gemacht hatte und je packte ihn die Lust wieder einmal darauf zu spielen und so kaufte er es.

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Beim Spielen musste Marco jedoch feststellen, das seine Fingerfertigkeiten gehörig eingerostet waren. Doch es war inzwischen Winter geworden und somit gab es eh nichts für ihn im Garten zu tun.

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Bald schon brauchte Marco keine Noten mehr und wie bei der Gitarre strömte die Musik aus ihm heraus. Je länger er spielte, desto stärker wurde der Drang die Melodien aufzuschreiben und festzuhalten.

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Es war als würden all die Lieder, die in ihm schlummerten, an die Oberfläche brechen wollen. Marco merkte gar nicht wie darüber die Zeit verging während er die Noten niederschrieb.

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Das Schneeflockenfest stand vor der Tür und zum ersten Mal seit er erwachsen geworden war, stellte er einen Baum auf und schmückte das Haus.

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Doch auch sein Geburtstag war gewesen und sein Haar nun vollends grau. Dabei hatte er das Gefühl, das er gerate erst zu leben begann.

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Auch Minka war inzwischen groß geworden.

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Im Sessel sitzend schaute Marco Minka zu wie sie übermütig mit einem Wollknäuel spielte. Ach ja, dachte Marco, so jung wie du wäre ich auch gern nochmal, dann könnt ich all die verlorene Zeit nachholen, seufzte er.

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