8. leise Wünsche

Marco warf sich aufs Bett und starrte zur Decke. Es war spät geworden, denn er hatte noch lange mit Selenia auf dem Baum gesessen.

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Es war ein angenehmes Gefühl gewesen so dicht an dicht mit ihr zu sitzen. Schon jetzt dachte er mit Bedauern daran, das einmal der Tag kommt, da sie sich in einen jungen Mann verlieben und sie dann keine Zeit mehr für ihn haben wird.

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Noch einmal ließ er sich ihr Gespräch durch den Kopf gehen. Sie hatte gemeint, er könne doch immer noch Liedermacher werden und so seinen Traum verwirklichen. Träume seien was für junge Leute, hatte er erwidert.

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So alt sei er doch noch gar nicht, hatte sie da gemeint. Doch er hatte nur mit dem Kopf geschüttelt, sein Haar wurde schließlich langsam grau und diesen Winter würde er zum Senior werden. Tja dann müsse er eben wieder jung werden meinte Selenia da, an dieser Stelle hatte Marco herzhaft gelacht.

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Sie hatte ihn jedoch ganz ernst angeschaut. Die Ältesten hätten ein Buch, in dem sie Ihre Geheimnisse hüteten. Einmal habe sie heimlich darin gelesen. Darin hieß es das es eine wandernde Höhle der Jugend gibt. Immer zur Wintersonnenwende tauche sie auf. In der Höhle befindet sich eine Quelle und wer das Wasser davon trinke, kehre zurück an den Anfang des Erwachsenenseins. Leider wüste man nie im Voraus wo die Höhle auftaucht, aber sie werde sich für ihn danach um sehen. Marco hatte nur geschwiegen, er glaubte nicht an so etwas, doch er wollte sie nicht verletzen.

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Wieder jung sein, der Gedanke ließ ihn nicht so schnell los wie er ihn gerne abtun würde. Denn wieder jung zu sein hieße auch das er um Selenia werben könnte. Ein Brunnen-tiefer Seufzer entfuhr Marco. Es gibt Moment da, wünscht man sich das Märchen wahr wären, dachte er.

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Ohne es zu merken war Marco mit seinen Gedanken übers jung sein in den Schlaf hinübergeglitten. In dieser Nacht bekamen Marcos Träume Flügel und er lächelte glücklich.

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Am nächsten Morgen wusste er gar nicht so recht wo er war, der Traum war ihm so real erschienen.

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An diesem Tag vermied er es Selenia in die Augen zu schauen, die wie stets vorbeigekommen war, denn immer wieder stiegen die Bilder der Nacht vor seinem inneren Auge auf.

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