Offtopic - Rassismus im Familien- und Bekanntenkreis

  • Also ich gehe dann meistens weg, also beende die Party für mich. Ich kann mit dem Thema nicht umgehen, weil für mich alle Menschen, egal welche Rasse gleich sind. Da ich mich sehr gut kenne und mir den Mund nicht verbieten lasse und weiß, dass ich da auch recht laut werden kann, lasse ich es. Ich nehme dann meine Jacke und gehe einfach.


    Für mich sind solche Gruppen wie Rechts einfach Menschen, die niemals wieder das Zepter in die Hand bekommen dürfen. Aber, ich will mit solchen Menschen dann auch gar nicht diskutieren und auch nichts zu tun haben. Sie sind so darauf fokussiert, dass ich einfach gar nicht mit ihnen darüber reden will. Sie gehen eh nicht von ihrer Meinung ab.

    Ich bewundere echt deinen Mut Lucy, aber bei soetwas habe ich auch keinen Rat parat.

    Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, werden Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken!

  • Oder ihr geht gemeinsam mit gutem Beispiel voran, indem ihr euch irgendwo engagiert.

    Ich hab mich jahrelang engagiert. Ich hab ja bis Ende letzten Jahres in Delmenhorst gewohnt und ich hab mich da 4 Jahre in der Flüchtlingshilfe engagiert. Ich hatte da auch ein syrisches "Patenkind". Er war 19 und ich hab ihn halt bei Behördengängen begleitet. Ihm geholfen Möbel usw für seine Wohnung durch Spenden zu bekommen und ich habe ihm die Stadt gezeigt. Mittlerweile spricht er richtig gut Deutsch und hat auch einen Teilzeitjob in Del. Wenn ich weiß wo ich denn endlich eine Arbeit finde (ich hoffe ja in Schwerin), dann werde ich mich auch wieder engagieren. Genügend Vereine usw. gibt es da ja.


    Dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit oder generell Berührungsängste mit anderen Menschen unterschiedlichster Herkunft auf dem Land größer sind als in der Stadt würde ich so pauschal meiner Erfahrung nach nicht behaupten.

    Das behaupte ich auch nicht, aber es ist bekannt das es in Mecklenburg ein sehr großes Problem ist. Viele behaupten ja auch das Mecklenburg-Vorpommern eines der schlimmsten ist.


    Ich wohne mittlerweile in München und bin dort viel im ländlichen Umland unterwegs.

    Meine Schwester wohnte auch eine Zeit in München. Mittlerweile wohnt sie dort auf einem Dorf. Sie wurde da auch nicht gut aufgenommen. Keiner wollte was mit den zu tun haben. Später sind sie in ein anderes Dorf gezogen und haben da einen großen Edeka aufgemacht und sind anerkannt.



    Wenn wirtschaftlicher und sozialer Druck sehr hoch und die eigenen Perspektiven und Chancen als sehr gering eingeschätzt werden, ist die Bereitschaft zur Empathie mit anderen Menschen, die man nicht zur eigenen Gruppe zählt, ebenfalls eher gering.

    Ja, und genau da liegt das Problem wahrscheinlich. Hier hat man kaum eine Perspektive. Arbeitsplätze sind sehr rar. Corona hat das noch einmal verschlimmert. Ich kann euch sagen das selbst in Schwerin (die Hauptstadt von Meck) kaum Arbeitsplätze gibt. Von Vollzeit wollen wir jetzt mal gar nicht sprechen.


    Das hängt ganz davon ab, welchen Grund ich für so eine Aussage ausmache.

    Ich kann sagen das bei meiner Familie die Gründe 2 und 3 zutreffen. Sie machen sich nicht selbst schlau. Sie hören die Nachrichten, hören was Bekannte behaupten und glauben Fake News.


    Meine Familie hat immer hart gearbeitet und jeder hat sich dadurch ein Haus gebaut und sich noch andere Annehmlichkeiten gegönnt. Sie sind nicht reich. Sie verdienen meist nur den Mindestlohn oder ein bisschen mehr. Sie sind noch sehr von den Ostverhältnissen geprägt. Sie sind unzufrieden mit der Regierung. Sehen nur die Steuerverschwendung und was die Regierung noch alles so falsch macht. Sehen die ständigen Preis- und Steuererhöhungen und merken auch gleichzeitig wie viele neue Menschen ins Land kommen. Sehen wie viele Nichtdeutsche vor dem Arbeitsamt und dem Jobcenter stehen.

    Regen sich über die auf die nicht arbeiten gehen. Regen sich aber gleichzeitig auch über die auf, die arbeiten und den Deutschen sozusagen die Arbeit wegnehmen :bekloppt:Bei meiner Familie kommt es nur durch die Unzufriedenheit und der Unwissenheit. Stelle ich das aber richtig, hören sie mir nicht zu oder nehmen mich nicht ernst, weil ich ja noch so jung bin. :( So jung bin ich gar nicht mehr. Wirklich braunes Gut steht bei meiner Familie nicht dahinter.


    Was ich besonders schlimm finde. Meine Oma war selbst ein Flüchtlingskind. Sie ist damals aus Schlesien mit ihrer Mutter und ihren 3 Geschwistern geflohen. Sie hatte es nicht einfach so wie viele andere. Sie sagte sie wurden schlimm behandelt obwohl sie doch Deutsche waren. Sie meinte sie wurden manchmal schlimmer wie die Tiere behandelt.

    Deswegen versteh ich nicht, warum ihre Kinder außer meine Mutter alle so dumm denken und reden. Sie sind gut gestellt. Sie haben ein Dach, Essen und einen Arbeitsplatz.


    Anders sieht es vielleicht bei Bekannten aus. Da bin ich mir nicht ganz sicher. Die Freundin meiner Mutter gab ja am Samstag Abend damit an wie unfreundlich sie doch zu ihrer Arbeitskollegin ist, nur weil die ein Kopftuch trägt. Sie meinte solche Viecher bräuchten sie gar nicht erst ansprechen. Da fass ich mir doch an den Kopf.

    Anstatt die partnerschaftlichen Mechanismen zu durchleuchten, finde ich es viel spannender, was an die Kinder weitergegeben wird. Wird da vermittelt, dass ihnen je nach Geschlechtsidentität alle Möglichkeiten offen stehen oder werden da bestimmte Muster aufgedrängt und kommuniziert? So nach dem Motto: Das macht man einfach als Mädchen/ Junge (nicht)!

    Bei uns stand nichts offen. Mein Kinderzimmer war rosa und das von meiner Schwester war lila. Ich bekam nur Puppen und Mädchenzeug geschenkt. Als ich 6 wurde wollte ich nur noch Jungs Klamotten tragen. Keine Ahnung warum :denk: Kann mich nicht mehr erinnern. Aber ich weis noch dass das bei meiner Familie gar nicht gut ankam. Später als Teenager hatte ich eine lesbische Freundin (diese Freundin hab ich immer noch). Meine Familie hatte total Angst deswegen, besonders wo ich wollte das sie hier schläft. Mein Gott, sie war halt ne sehr gute Freundin. Mir war das egal. Sie hat dann bei mir im Bett mit geschlafen. Meine Mutter konnte wohl gar nicht schlafen. Sie kam in der Nacht immer wieder hoch gucken. Bis ich ihr die Meinung gegeigt habe. Ich sagte, sie würde mich schon nicht anspringen. Sie war meine Freundin und nicht meine feste Freundin. Zu diesen Thema haben sie heute eine etwas offenere Sichtweise. Ich weis aber nicht wie das wäre, wenn es die Familie betreffen würde. Bei uns sind alle hetero. Ich glaube dann wäre es für die etwas anders.

  • Tja, so ein Fall von Homosexualität, wie es ihn in unserer (etwas weiteren) Familie gibt, kann so einiges in Bewegung setzen! Das war im Grunde ein Segen und hat gerade den, der am am wenigsten Toleranz zeigt, nämlich den Papa desjenigen, ins Grübeln gebracht! Gut so, er steht jetzt auch zu seinem Kind, etwas Besseres konnte ihm gar nicht passieren :D

    Und Kalypso hat Recht:

    Je schlechter die eigene wirtschaftliche Situation, desto schwerer fällt es, Toleranz anderen gegenüber zu zeigen, dazu kommen dann noch Ängste usw. Da kommt gerne Verbitterung auf, und das geht dann über in Neid und Missgunst. Und dann kommt noch die "Bubble" dazu, das ist ja jetzt durch das Internet ganz besonders schlimm. Wer Seiten mit bestimmten Inhalten aufruft, bekommt automatisch immer wieder ähnliche Seiten zu diesem Thema angezeigt.

    Hihi, ich denke nur daran, als ich mal für einen unserer Alten in der Familie nach Treppernliften googelte - die Dinger verfolgten mich noch monatelang im Netz :haha: So ist das natürlich auch bei politischen Themen.