59. Kapitel Marvolos Absichten

Philips Glieder fühlten sich wie aus Blei an. Seine Angst um Josephine war in diesem Moment um ein vielfaches stärker als sein Zorn auf Marvolo, die Angst ließ sein Herz dumpf in seiner Brust pochen und lähmte ihn regelrecht. Sie sah so bleich aus. Ein unsäglicher Schmerz wütete in ihm. "Was... was habt ihr Joh angetan?" seine Stimme war nur ein trockenes Krächzen.

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Marvolo blickte nicht auf, sondern fuhr in seiner Tätigkeit fort. "Ich habe ihr gar nichts angetan und habe dies auch nicht vor", erwiderte er ruhig.

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"Es liegt auch nicht in meiner Absicht, ihr oder dir etwas ... anzutun mein junger Freund." langsam erhob er seinen Blick, "Ich habe mich lediglich um ihre Wunde gekümmert, oder wäre es dir lieber gewesen ich hätte sie verbluten lassen, während du oben herumirrtest." Ein schwer zu definierender Ausdruck lag in seinen leuchtenden Augen.

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"Nein, nein natürlich nicht", entgegnete Philip stockend. Langsam bekam er wieder Gefühl in seine Glieder. "Warum seid ihr dann hier, wenn nicht um uns zu jagen?", fragte er unumwunden. Irgendetwas in Marvolos Art, hielt Philip davon ab sich zornig auf ihn zu stürzen.

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Marvolos Blick ruhte nun wieder auf Josephine "Ihr Amulett hat mich gerufen. Wenn sie in Gefahr ist und ihr niemand direkt zu Hilfe eilt, ruft es mich." Ein schwer zu definierender Unterton schwang in seiner Stimme mit, es klang fast als würde er Philip dafür tadeln, dass sie verletzt wurde.

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"Kann sie das Amulett deshalb nicht ohne weiteres abnehmen?", fragte Philip und maß Marvolo mit hartem Blick. "Ganz recht, sie kann es nur abnehmen, wenn ich es zurücknehme, doch das werde ich nicht tun", antwortete Marvolo schlicht aber bestimmt. "Aber keine Sorge, es beeinflusst sie nicht, es ist ... ein Wächter Amulett." Etwas Herausforderndes lag in Marvolos Blick.

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Das Amulett verband Marvolo also in gewisser Weise mit Josephine, dennoch wie war er hierhergekommen? Doch da fiel sein Blick auf den Spiegel hinter Marvolo. Natürlich die Spiegel, dachte Philip bitter, gleichzeitig fragte er sich wieso überhaupt einer von diesen Spiegeln hier hing.

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Marvolo folgte seinem Blick. "Du irrst mein junger Freund", meinte er mit einem seltsamen Lächeln, "ich bin Der, der die Spiegel aufhängt, aber nicht Der, der sie benötigt." Ein Wimpernschlag und Marvolo verschwand in einem Kreis aus Licht.

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Unvermittelt tauchte er direkt hinter Philip wieder auf und schlang blitzschnell seine Arme um Philips Oberkörper. "Denn mein junger Freund, ich bin kein gewöhnlicher Vampir", flüsterte er ihm leise spöttisch ins Ohr. "Nicht einmal Rose Amulett, welches du verborgen unter deiner Kleidung trägst, vermag es, mich aufzuhalten, wenn ich dein Blut wollte." Wieder spürte Philip die Macht die von Marvolo ausging.

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"Was ist mit Joh?", fragte Philip und versuchte ein Schaudern zu unterdrücken. "Sie wird bis Sonnenaufgang schlafen, ich hielte es für das beste, wenn sie nicht weiß, dass ich über sie wache und du tätest gut daran es ihr nicht zu sagen", entgegnete Marvolo sachlich, ein leiser drohender Ton schwang in seiner Stimme mit, dann schritt er, einem Raubtier gleich, um ihn herum.

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Philip versuchte das Ganze zu verstehen. Im Grunde hätte Marvolo Josephine so mit sich nehmen können, ohne dass Philip je dahintergekommen wäre, wer hinter Josephines Verschwinden steckt und doch hatte Marvolo es nicht getan. "Ihr habt mich durchs Labyrinth geführt! Weshalb?" Ohne zu antworten, wanderte Marvolos Blick von Philip zu Josephine "Pass das nächste Mal besser auf sie auf." meinte er nur streng, wobei erneut ein warnender Unterton mit schwang und im nächsten Augenblick war er verschwunden.

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Nachdenklich betrachtete Philip Josephine, die mit halb geschlossenen Lidern da lag. Eine Verletzung konnte er auf den ersten Blick nicht ausmachen. Hatte Marvolo dies bewerkstelligt? Es sah ganz so aus.

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Dann fiel ihm die Kugel über Josephines Kopf auf, ein helles schimmerndes Licht wie das des Mondes ging von ihr aus. Philip war sich sicher das dies die Mondperle war, wegen der sie hier waren und so nahm er sie an sich.

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Philip überlegte, ob er bis zum Sonnenaufgang hier warten sollte, aber da er Josephine nicht erklären wollte, wieso sie hier unten lag, hob er sie kurz entschlossen auf seine Arme, um sie nach oben zu tragen.

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Zum Glück war Josephine in ihrer Nachtgestalt federleicht und es fiel ihm nicht schwer sie durch die Wirrungen der Gänge zu tragen.

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Außerdem was Marvolo schaffe, das könne er auch, dachte Philip grimmig.

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Er war so froh wieder mit ihr vereint zu sein und das nichts Schlimmeres mit ihr passiert war.

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Immer wieder dachte er über das Verhalten Marvolos nach, er wurde einfach nicht schlau daraus.

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Wie ein Schlafwandler lief er mit Josephine auf den Armen durch das Labyrinth, sodass er später nicht hätte sagen können wie er am Ende herausgefunden hatte.

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Draußen angekommen lehnte er sich an eine der Säulen, bettete Josephines Kopf auf seine Schulter und wartete darauf, dass sie aufwachte. Er hatte es geschafft, auch wenn er das Gefühl hatte, das seine Arme ihm gleich abfallen würden.

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