30. seltsame Lektüre

Die Post war da, mmh was mochte es sein, seit Marco ihr keine Briefe mehr schickte, bekam sie nur noch einmal die Woche Post vom Literaturclub, doch der war erst morgen dran.

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Ein kleines Päckchen war es, aus Isla Paradiso, ein Absender stand nicht darauf.

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Ein Buch befand sich darin, mit dem Titel „Mythen und Legenden des Meeres“ Malinas Interesse war geweckt und so legte sie sich aufs Bett, um ein wenig darin zu schmökern.

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Von versunkenen Städten war die Rede und von Meeresungeheuern die Schiffe angriffen. Von Piraten, die sich gut Freund mit dem Kraken stehen würden, weil sie ihm Opfer darbrachten. Der übliche Plunder dachte Malina bei sich. Vielleicht wurde die Fantasie dieser Agnes ja durch solcher Art Geschichten angeregt, sodass sie meinte, mich vor Simon warnen zu müssen, überlegte Malina. Es gab viele harmlose Gründe warum Sims "verschwanden", dachte sie, einige ihrer Klassenkameradinnen sprachen auch davon die Insel zu verlassen, sobald sie alt genug dafür waren.

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Dann stieß Malina auf ein Kapitel das über Sims berichtete, die unter der Meeresoberfläche leben sollen. Fasziniert von der Vorstellung las Malina weiter. 323.jpg


Manche Meeressims, so hieß es im Buch, hätten die Fähigkeit für kurze Zeit an Land zugehen und seien dann vom normalen Sims nicht zu unterscheiden. Doch müssten sie immer in der Nähe vom Meer bleiben um rechtzeitig wieder ins Wasser zurückkehren zu können, da ihnen sonst das Verdorren drohte.

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Wenn ein Meeressims sich einen Partner wählte, so geschah dies fürs ganze Leben, denn wenn sich ihre Lippen zum ersten Mal im Kusse berührten wurde ein unauflösliches Band zwischen ihnen geknüpft. Daher sei das Meeresvolk sehr wählerisch, was die Partnerwahl angehe. Eines Tages verliebte sich eine Meerjungfrau jedoch in einen jungen Fischer und wählte ihn zum Gefährten. Damit er mit ihr auf dem Meeresgrund leben konnte, gab sie ihm die Frucht des Meeres zu essen, wodurch er die Gestalt eines Meeressims annahm und ihr so folgen konnte. Nachdenklich klappte Malina das Buch zu.

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Der Autor klingt als würde er daran glauben was er da geschrieben hat. Versunkene Städte, Sims die mit Kraken befreundet sind, Meeresvolk, Märchen sind das, dachte Malina, das ist wie mit diesen Geschichten über Werwölfe oder Vampire. Wobei die Vorstellung frei im Meer tauchen zu können schon reizvoll klang.

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Sie legte das Buch auf den Nachtisch und stand auf, da sah sie, dass etwas aus dem Buch gefallen war und bückte sich danach.

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Ein Briefumschlag mit einem alten rostigen Schlüssel darin und einem zusammengefalteten Stück Papier. Malina faltete das Blatt auseinander und las. - Benutze dies an dem Ort deines ersten Tauchgangs und der Anfang ist getan. -

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Malina konnte sich nur an ein Objekt auf dieser Unterwasserhalte erinnern, für das ein Schlüssel von Nutzen wäre. Aber woher wusste der Schreiber der Notiz wo sie zum ersten Mal tauchen war? Sie hatte nie jemanden davon erzählt, wo das gewesen war, weder davor, noch weniger danach. Dass sie dabei ohnmächtig an Land gespült geworden war, war ihr einfach zu peinlich gewesen.

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