19. Josephines Geschichte

Also Josephine aus dem Bad kam ertönte von Philip ein lautes Magenknurren. Josephines perlendes Lachen erklang, dann kramte sie in ihren Taschen und warf Philip ein paar braune Riegel zu. Verdutzt fing er sie auf "Was ist das?" "Früchteriegel, meine Mutter macht sie zu Hauff." mahnend erhob sie den Finger "Vom stinken stirbt man nicht, schlafen kann man auch auf dem harten Boden, doch was zu essen sollte man immer in den Taschen habe." dozierte Josephine "Das predigte sie mir ständig. Schmeckt nicht so schlecht wie es aussieht."

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Die Riegel waren fest und trocken, dennoch spürte Philip wie der Hunger sofort nach ließ. Nachdenklich kauend setzte er sich und betrachtete Josephine. "Komm, erklär mal." meinte er unvermittelt und deutete auf sie "und sag nicht du hast keine Ahnung, das kauf ich dir nicht ab."

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Josephine wand das Gesicht von ihm ab und zuckte mit den Schultern. "Es ist ein Fluch, mit dem meine Familie vor vielen Jahreszeiten belegt worden ist." Philip schwieg und schaute sie nur an.

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Josephine seufzte "Das übliche ist passiert." ihre Stimme klang ungehalten "eine meiner adligen Vorfahrinnen, welche selber eine ausgesprochene Schönheit war verspottete eine alte Dienstmagd wegen ihrer pummeligen Erscheinung." ein ärgerliches Schnauben folgte "tja die Dienstmagd belegte die Schöne mit dem Fluch ihr möge die gleiche Schönheit zuteilwerden wie der alten Dienstmagd. Man hatte die Alte lachend aus dem Haus geworfen. Was keiner wusste, war das die Alte in den Hexenkünsten bewandert war und am nächsten Tag zeigte der Fluch seine Wirkung. Keiner weiß, warum der Fluch weitergegeben wird aber bis zum heutigen Tag hält er an. Sobald die Sonne auf oder untergeht, verändert sich unsere Gestalt."

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"Der Rest deiner Familie ist auch so?" Philip klang überrascht. "Nein", kam es traurig von Josephine "nicht jeden von uns trifft der Fluch. Meine Oma und mein Vater haben es, meine Tante und meine Schwester sind verschont geblieben."

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"Meine Mutter zieht daher umher, um eine Möglichkeit zu finden diesen Fluch zu brechen." Josephines Stimme verlor sich in ihren Gedanken. "Alles nur, weil so ein Schönling sich für was Besseres hielt", murmelte sie leise. 184.jpg


"Und wenn sie es schafft? Was glaubst du welche Gestalt wirst du dann haben?" erkundigte sich Philip neugierig, aber auch ein wenig verlegen. Hatte er nicht genauso über sie gedacht wegen ihrer Pummeligkeit, deshalb nannte sie ihn Schönling, wurde Philip klar.

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Überrascht schaute Josephine ihn an "Inzwischen ist es mir egal." gestand sie "Früher habe ich sehr unter dieser Gestalt hier gelitten." sie deutete an sich hinab. "Ständig wurde ich deswegen in der Schule gehänselt, das war auch der Grund, warum meine Mutter mich auf ihre Reisen mitgenommen hat. Doch heute mag ich das Mopsgesicht ganz gerne."

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Philip war ein wenig bestürzt darüber, dass sie die Bezeichnung Mopsgesicht gebrauchte. Josephine lachte bitter "glaubst du, ich wüsste nicht wie ihr Jungs mich nennt, wenn ihr unter euch seid." In diesem Moment fühlte Philip sich beschämt, sie hatten über sie geurteilt, ohne sie wirklich zu kennen. "Aber warum magst du dann deine Tagesgestalt?" denn das wunderte ihn dann doch. "Es erspart mir das Getue von euch Jungs das zum Beispiel Louis über sich ergehen lassen muss."

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Oh ja Louis, dachte Philip, der Jungen Schwarm der Schule. Doch irgendwie fand Philip verblasste Louis für ihn gegen Josephine. "Also ich würd auf deine Nachtgestalt tippen." "Warum? Weil die so viel netter ist anzuschauen?" erwiderte Josephine spöttisch. "Nein", kam es ganz schlicht und sachlich von Philip, "es ist deine Stimme und einfach deine Art wie du dich bewegst. Und vielleicht trifft der Fluch ja nur die Schönsten in eurer Familie." Ein leichtes Rot huschte über Josephines Wangen.

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"Komm, lass uns weiter gehen", sagte sie jedoch nur stand auf und steuerte auf die Terrassentür zu.

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