(DPiO) Kapitel 18 - Jordans Weg

Mittwoch (Woche 8, Tag 4) - Freitag (Woche 8, Tag 6)

Nachdem sich ihre Wege am Resort Funkelnder Sand getrennt hatten und Jordan hier nur missbilligende Blicke auf seine Versuche geerntet hatte an Informationen zu versteckten Inseln zu gelangen, schipperte er allein wieder Richtung Heimathafen.


Am Freitag wollte er die Bibliothek aufsuchen und sein Glück mit dem dubiosen Angebot von HunterX versuchen. Derweil nutzte er die Zeit und vertiefte sich in Fachbüchern über die Gartenarbeit.



Neben etwaigen weiteren Inseln, die er entdecken wollte, wollte er unbedingt herausfinden, was es mit dem unbekannten Samen auf sich hatte. Aber dafür musste er erst noch sein theoretisches Wissen über Pflanzen erweitern.


Am Freitag (Woche 8, Tag 6) fuhr er schließlich zur Bibliothek. Als er gerade die Hand ausstreckte, um die Eingangstür zu öffnen, wurde diese von innen aufgedrückt und Craig trat an ihm vorbei.



Die beiden Männer nickten sich zur Begrüßung gegenseitig zu und dann hastete Craig zum Taxi, welches Jordan kurz zuvor zur Bibliothek gefahren hatte.


Ob Craig ihn erkannt hatte, überlegte Jordan. Letztendlich war es egal. Nachdem Jordan die Bibliothek betreten hatte, hielt er Ausschau nach HunterX. Sie hatten vereinbart, dass sie sich mithilfe eines bestimmten Buches ausfindig machen konnten.


Da Jordan niemanden ausmachen konnte, der HunterX hätte sein können, schlenderte er durch die Regale und suchte nach dem Buch „Einhörner für Austin“.


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Es dauerte nicht lange und er hatte das Buch aufgespürt.


Der junge Mann griff nach dem Buch und stellte fest, dass es sich sehr leicht anfühlte. Mit einem kurzen Blick über die Schulter vergewisserte Jordan sich, dass er nicht beobachtet wurde. Bis auf ihm war niemand in der Abteilung zugegen.


Er schlug es auf. Die Innenseiten des Buches waren rausgeschnitten und anschließend an den Rändern zusammengeklebt worden. Ein Geheimfach. In diesem Fach lag ein kleiner Zettel. Als Jordan den Zettel entnahm, erfühlte er einen Gegenstand, der auf der Rückseite festgeklebt worden war. Es war ein kleiner Schlüssel.


Nur wenn du ein wahrer Entdecker bist, bist du würdig die Karte des Kapitäns zu erhalten. Finde den Schatz!


Neben dem Text war ein Grundriss der Bibliothek eingezeichnet. Die Karte führte ihn hinauf in die zweite Etage und zur Kinderabteilung der Bibliothek.


Jordan erkannte direkt, wohin ihn HunterX hatte führen wollen.


Hier fand Jordan nämlich eine Truhe mit einem Totenkopf darauf. Die Truhe, die ihm HunterX auf dem Zettel als Ziel markiert hatte.


Wieder prüfte Jordan, ob irgendwer in der Nähe war.


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Er war glücklicherweise allein in der Kinderabteilung. Vermutlich war das auch besser so. Es wirkte sicherlich reichlich merkwürdig, wenn ein erwachsener Mann in der Spielzeugtruhe kramte. Jordan versuchte die Truhe zu öffnen und stellte fest, dass sie verschlossen war.


Der Schlüssel aus dem Buch passte. Jordan schloss die Truhe auf. Auf dem Spielzeug lag ein loser Zettel. Darauf stand:


Schön mit dir Geschäfte zu machen. In der Kiste ist die Karte. Viel Spaß damit. Das Geld überweist du bitte auf folgendes Konto ...


Jordan kramte, auf der Suche nach der versprochenen Karte, in der Truhe.



Tatsächlich fand er unter den ganzen Spielsachen eine Glasflasche, in der eine zusammengerollte Karte steckte.


Mit zittrigen Fingern fischte Jordan die Flasche aus der Truhe. Jordan konnte es nicht fassen. Dem Zustand der Karte nach, es handelte sich um vergilbtes, brüchiges Papier, zweifelte er nicht an der Echtheit der Karte. Allerdings traute er sich nicht, die Karte sofort zu prüfen. Er wollte das lieber zuhause auf dem Boot tun, wo er sie direkt ordentlich verstauen konnte.


Da HunterX das Geld offenbar auch nicht sofort verlangte, hatte er Zeit, sich von dem tatsächlichen Wert der Karte zu überzeugen. Es wunderte Jordan zwar, dass HunterX nicht wie vereinbart erschienen war und ihm offenbar so weit vertraute, dass er das Geld nicht sofort verlangte, aber was sollte es ihn stören? Letztlich kam ihm das sehr entgegen.


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***


Bevor er sich wieder zum Hausboot begab, besorgte er noch Proviant für die Reise. Er war aufgeregt und konnte es nicht erwarten loszuschippern. Jordan musste der Versuchung widerstehen seine Schwester anzurufen. Gerne hätte er seine Freude mit irgendwem geteilt.


Nachdem er die Karte vorsichtig mit einer Pinzette aus der Glasflasche gezogen hatte, entfaltete er sie auf dem Couchtisch und studierte diese. Es war der Weg zu einer unbekannten Insel verzeichnet, die auf seinen eigenen Karten nicht drauf war.


Voller Hoffnung, dass es sich bei der Insel um den Ort handelte, von dem sein Vater geschrieben hatte, stürmte er hinauf zum Steuerrad und startete den Motor.


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Aus dem Augenwinkel nahm er eine Bewegung hinter sich war. Jordan hielt inne und wandte den Blick zum blinden Passagier hinter sich, der seelenruhig in einem Buch las.


„Was zum Kuckuck!“, entglitt es Jordan. „Craig, was hast du auf meinem Boot zu suchen?”


Keine Reaktion. Craig konzentrierte sich weiter auf die Seiten seines Buches und schenkte dem Besitzer des Bootes keine Beachtung.


„Craig!“, wiederholte Jordan lauter.


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„Einen Moment, ja? Es ist gerade so spannend!“, antwortete Craig, ohne vom Buch aufzublicken. „Ich habe gleich Zeit für dich.”


Seelenruhig blätterte er eine Seite um. „Nur noch die eine Seite. Das Kapitel ist gleich zu Ende. Ich hasse es, einfach mittendrin aufzuhören. Fahr ruhig weiter, mich stört das echt nicht. Im Gegenteil, das monotone Brummen ist fantastisch, wenn man liest.”


“Bitte?!” Jordan schaltete den Motor ab, trat vom Steuerrad weg und auf Craig zu. Seufzend klappte dieser das Buch zu und stand auf.


“Man ey, dann eben nicht. Warum denn so ungeduldig? Hast du es etwa eilig?”


“Was hast du auf meinem Boot zu suchen?”


“Dasselbe wie du, schätze ich”, antworte der blinde Passagier schulterzuckend.


Jordan versuchte sich zusammenzureißen. Auch wenn Craig wegen der frechen Antwort durchaus verdient hätte, wenn er ihn einfach am Kragen gepackt und von Bord geworfen hätte.


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Stattdessen fragte er mit drohender Stimme: “Was für Spielchen treibst du hier, verdammt?”

Comments 5

  • Da habe ich auch schon drüber nachgedacht. Auf jeden Fall sind mir sowohl Craig als auch HunterX immer noch suspekt.

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  • Hab mich gerade das Gleiche wie mammut gefragt. Wieso sollte Hunter X ihn auch einfach mit der Karte gehen lassen, ohne die Bezahlung. Soviel Vertrauen in einen Fremden?

  • Oje! Ist Craig etwa HunterX? Der hat so viel Geld doch gar nicht nötig... oder vielleicht ist er gerade durch solche Geschäfte zu Reichtum gekommen? Und beschlagnahmt jetzt Jordans Boot, weil der nicht bezahlt hatte?

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    • Interessante Gedanken hast du, mammut! Im Spiel ist er ja tatsächlich arbeitslos und reich, also wer weiß, wie er das geschafft hat :D

    • Mich erinnert das entfernt an die Thomas Crown Affäre. Reicher Mann macht merkwürdige Dinge, einfach nur zum Spaß und für den Nervenkitzel. Ich bin seeeehr gespannt wie es weiter geht (hab' übrigens auch noch nicht die anderen Teile gelesen - will mir ja nicht die Spannung ruinieren :D ).

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